Dark Art History
Willkommen auf dem persönlichen Blog der Kunsthistorikerin
Dr. Lena Rebekka Rehberger!
Hier veröffentliche ich Texte rund um die Themen Melancholie, Tod, Trauer, Nacht und Dunkelheit in der Kunst - in anderen Worten: Ich schreibe über alles Dunkle und Düstere, was die Kunstgeschichte hergibt! Spezialisiert bin ich auf die europäische Kunst des späten 18. bis frühen 20. Jahrhunderts, gelegentlich mache ich aber auch Ausflüge in andere Epochen oder in die zeitgenössische Kunst.
Welcome to the personal blog of art historian
Dr. Lena Rebekka Rehberger!
Here I publish texts on the topics of melancholy, death, mourning, night, and darkness in art—in other words: I write about everything dark and gloomy that art history has to offer! I specialize in European art from the late 18th to early 20th centuries, but I occasionally venture into other eras or contemporary art.
Aktuell /News
Einladung
zum Kunstgespräch des Leipziger Kunstvereins am Mittwoch, den 22.10. 2025 um 18:00 Uhr,
Dr. Lena Rebekka Rehberger
Darstellungen von Weiblichkeit im Werk der schwedischen Bildhauerinnen Ida Matton und Alice Nordin
Museum der bildenden Künste Leipzig (Katharinenstraße 10, 04109 Leipzig), Veranstaltungsraum im UG
An der Kunstakademie in Stockholm wurden Frauen bereits 1864 zum Studium zugelassen. In der sog. Fruntimmersavdelningen vid Kungliga Akademien för de fria konsterna (Frauenzimmerabteilung der Königlichen Akademie der freien Künste) konnten sie sich in Malerei und Skulptur ausbilden. So nahm die Anzahl professioneller Künstlerinnen in Schweden stetig zu. In der Zeit um 1900 reisten viele dieser Künstlerinnen, die bereits in ihrem Heimatland eine exzellente Ausbildung erhalten hatten, in die europäischen Metropolen, besonders nach Paris, um ihre Studien zu vertiefen. Einige von ihnen kehrten erst Jahre später oder nur temporär nach Schweden zurück. Obgleich viele von ihnen ihr Leben lang europaweit als etablierte und respektierte Künstlerinnen erfolgreich tätig waren, blieben sie in der nordischen wie europäischen Kunstgeschichtsschreibung weitgehend unerwähnt und werden erst jüngst von der Forschung wieder sichtbar gemacht.
Zu dieser Generation von Künstlerinnen gehören die beiden schwedischen Bildhauerinnen Ida Matton (1863–1940) und Alice Nordin (1871–1948).
Die aus einer wohlhabenden und aufgeschlossenen Fabrikantenfamilie stammende Ida Matton studierte zunächst bis 1887 an der Tekniska skolan in Stockholm. Nachdem sie ihr Studium darauf in Paris an der Académie Colarossi und Académie Julian, u.a. bei Jean-Antoine Injalbert, Henri Chapu, Antonin Mercié und Denys Puech, fortgesetzt hatte, ließ sie sich in der französischen Hauptstadt als selbständige Bildhauerin nieder. Bald feierte sie große Erfolge im Pariser Salon. Nicht nur in ihrer Wahlheimat Frankreich, sondern auch in Schweden blieb Matton ihr Leben lang als freischaffende Künstlerin überaus erfolgreich und konnte von ihrer Kunst gut leben.
Auch die als Tochter eines Tischlermeisters in einem künstlerischen Umfeld aufgewachsene Alice Nordin, studierte nach dem Abschluss ihres Studiums der Bildhauerei an der Königlichen Akademie der freien Künste in Stockholm 1896, an der Académie Colarossi in Paris bei Jean-Antoine Injalbert. Nordin, die teils wie eine Nomadin in unterschiedlichen europäischen Metropolen, u.a. in Florenz lebte, war nicht nur in der Bildhauerei, sondern auch im Bereich der angewandten Kunst eine nachgefragte Persönlichkeit.
Ida Matton und Alice Nordin vereint die Beschäftigung mit dem weiblichen Körper.
Frauengestalten, oftmals jung, makellos bis sinnlich-erotisch dargestellt und mit einer vielschichtigen Symbolik aufgeladen, werden von beiden Bildhauerinnen immer wieder in ihrem Oeuvre thematisiert. Dies trifft im besonderen Maße für den Bereich der Grabmalkunst zu.
Im Vortrag wird an Hand der Analyse einiger Grabplastiken von Ida Matton und Alice Nordin dem Motiv der Weiblichkeit nachgespürt. Inwiefern konnten die in der Zeit um 1900 verbreiteten idealen Weiblichkeitstypen von den Bildhauerinnen geschlechtsspezifisch nutzbar gemacht werden? War die von beiden Künstlerinnen bevorzugte sinnliche Ästhetik und der symbolisch aufgeladene weibliche Körper wirklich nur für den male Gaze bestimmt?
Invitation to the
Art talk by the Leipzig Art Association (Leipziger Kunstverein) on Wednesday, October 22, 2025,
At 6:00 p.m.
Dr. Lena Rebekka Rehberger
Representations of femininity in the work of Swedish sculptors
Ida Matton and Alice Nordin
Museum of Fine Arts Leipzig, Katharinenstraße 10, 04109 Leipzig
Women were admitted to the Stockholm Academy of Fine Arts as early as 1864. In the so-called Fruntimmersavdelningen vid Kungliga Akademien för de fria konsterna (Women's Department of the Royal Academy of Free Arts), women were able to train in painting and sculpture. Thus, from that time on, the number of professional female artists in Sweden steadily increased.
Around 1900, many female artists who had already received excellent training in their home country traveled to the European art metropolises, especially to Paris, to further their studies. Some of them only returned to Sweden years later, or only temporarily. Although many of them prevailed successfully as established and respected artists throughout Europe, they remained largely unmentioned in the Nordic and European art history canon and have only recently been brought back into visibility by international researchers.
This generation of female artists includes the two Swedish sculptors Ida Matton (1863–1940) and Alice Nordin (1871–1948).
Ida Matton, who came from a wealthy and open-minded family of manufacturers, initially studied at the Tekniska skolan in Stockholm until 1887. After continuing her studies in Paris at the Académie Colarossi and Académie Julian, under Jean-Antoine Injalbert, Henri Chapu, Antonin Mercié, and Denys Puech, she settled in the French capital. Soon, she received significant recognition at the Paris Salon. Matton remained extremely successful throughout her life, not only in France but also in Sweden.
Alice Nordin, who, as the daughter of a master carpenter, grew up in an artistic environment, studied at the Académie Colarossi in Paris under Jean-Antoine Injalbert after graduating from the Royal Academy of Fine Arts in Stockholm in 1896. Nordin, who lived partly like a nomad in various European cities, including Florence, was a sought-after figure not only in sculpture but also in the field of applied art.
Ida Matton and Alice Nordin shared the preoccupation with the female body.
Female figures, often depicted as young, flawless, sensual-erotic, and charged with multi-layered symbolism, are a recurring theme in the oeuvre of both sculptors, especially in the field of funerary art.
The lecture explores the motif of femininity based on an analysis of several grave sculptures by Ida Matton and Alice Nordin. To what extent were both sculptors able to utilize the ideal types of femininity prevalent around 1900 in a gender-specific manner? Were the sensual aesthetics and the symbolically charged female body favored by the two artists really intended exclusively for the male gaze?